Leichtathletik-WM

Drama um Usain Bolt bei seinem letzten Rennen

Der Jamaikaner verletzte sich als Schlussläufer der 100-Meter-Staffel vor dem Ziel. Speerwerfer Vetter erstmals Weltmeister.

Gold für Speerwerfer Johannes Vetter, Silber für Zehnkämpfer Rico Freimuth, Bronze für seinen Kollegen Kai Kazmirek und Hürdensprinterin Pamela Dutkiewicz: Am dramatischen Abschiedsabend mit dem Sturz von Pechvogel Usain Bolt haben die deutschen Leichtathleten eine glänzende Stadionshow abgeliefert. Mit vier Medaillen innerhalb von 76 Minuten lieferten sie am vorletzten Wettkampfabend der Weltmeisterschaften in London ein eindrucksvolles Lebenszeichen.

Die anfangs mickrige DLV-Bilanz kann sich nun schon sehen lassen. Zusammen mit Silber für Siebenkämpferin Carolin Schäfer zu WM-Beginn haben die deutschen Athleten vor dem Schlusstag fünfmal Edelmetall erkämpft: Einmal Gold, zweimal Silber und zweimal Bronze.

Bolts tragischer Abgang in der Staffel

Bolts einmalige Sportkarriere ging indes mit einem Sturz im Staffelfinale fast schon tragisch zu Ende. Der schnellste Sprinter der Welt strauchelte am Sonnabendabend als Schlussläufer von Jamaikas Quartett 50 Meter vor dem Ziel. Ursache war ein Muskelkrampf, wie sich später herausstellte. Bolts Teamkollegen Omar McLeod, Julian Forte und Yohan Blake mussten den 30-Jährigen trösten. Zu WM-Beginn hatte Bolt Bronze über 100 Meter geholt.

Als um 22.03 Uhr Ortszeit alles aus und vorbei war, lag die Lichtgestalt der Leichtathletik am Boden – eine ganz seltene Szene. Eigentlich wollte der schnellste Mann der Welt mit der zwölften WM-Medaille in die Sport-Rente gehen, doch es sollte nicht sein. Dass die Briten am Ende überraschend Gold holten, geriet an diesem Abend zur Randnotiz.

Johannes Vetter krönt sich zum Weltmeister

Der Vorzeigeathlet im deutschen Team ist in diesem Jahr Johannes Vetter: Der Modellathlet aus Offenburg krönte seinen überragende Saison mit Gold. Vetter kam auf 89,89 Meter, Zweiter wurde der Tscheche Jakub Vadlejch mit 89,73 Metern vor seinem Landsmann Petr Frydrych, der auf 88,32 Meter kam. "Da fehlen mir die Worte", meinte der dritte deutsche Speerwurf-Weltmeister. "Unglaublich!"

Bitter war der Abend für Olympiasieger Thomas Röhler: Nur um sechs Zentimeter segelte der Karbonspeer des Jenaers an Bronze vorbei. "Das ist Sport und menschlich", sagte Röhler. "Da war heute ein anderer besser." Der Mannheimer Andreas Hofmann wurde Achter.

"Jetzt ist endlich alles raus, ich bin froh, dass es Johannes geschafft hat. Leider hat es nicht zu den zwei Medaillen gereicht, von denen wir geträumt hatten, vielleicht sogar drei", sagte Bundestrainer Boris Obergföll.

Zwei Medaillen für deutsche Zehnkämpfer

Die starken deutschen Zehnkämpfer sanken nach dem 1500-Meter-Lauf geschafft, aber glücklich auf die Bahn: Freimuth sammelte als Zweiter 8564 Punkte, für ihn ist es nach Bronze 2015 die zweite WM-Medaille. Kazmirek wurde mit 8488 Zählern Dritter. So einen Coup gab es für deutsche Zehnkämpfer zuvor nur bei der ersten WM 1983 durch Jürgen Hingsen und Siegfried Wentz. Weltmeister wurde der Franzose Kevin Mayer mit der Weltjahresbestleistung von 8768 Punkten.

In der Sprintstaffel über 4 x 100 Meter liefen Tatjana Pinto (Paderborn), Lisa Mayer (Wetzlar), Gina Lückenkemper (Dortmund) und Rebekka Haase (Thum) nach einem verpatzten Wechsel um 17 Hundertstel an Bronze vorbei.

Sprinterin Dutkiewicz überrascht sich selbst mit Bronze

Hürdensprinterin Dutkiewicz hatte das Medaillensammeln der Deutschen mit Bronze eröffnet. "Das ist so toll, ich kann das nicht glauben. Die ganze Saison lief wie am Schnürchen", sagte die deutsche Meisterin aus Wattenscheid. In 12,72 Sekunden kam sie hinter der Australierin Sally Pearson (12,59) und der Amerikanerin Dawn Harper Nelson (12,63) ins Ziel.

Trotz eines fulminanten Schlussspurts verpasste Doppel-Olympiasieger Mo Farah sein drittes WM-Double, gewann aber Silber. Nach seinem Triumph über 10 000 Meter musste sich der Brite über 5000 Meter in 13:33,22 Sekunden aber nur dem Äthiopier Muktar Edris um 43 Hundertstelsekunden geschlagen geben.

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