Abendblatt-Umfrage

So sicher ist Ihr Arbeitsplatz in Hamburg 2013

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Gut ein Drittel der größten 200 Unternehmen plant 2013 Neueinstellungen. Die Arbeitsagentur erwartet bis zu 10.000 neue Stellen.

Hamburg. Auf dem Hamburger Arbeitsmarkt überwiegt für dieses Jahr der Optimismus. Von den 200 größten Unternehmen in der Hansestadt wollen 84 ihre Belegschaften ausbauen und weitere 84 die Zahl der Mitarbeiter konstant halten. Dagegen planen nur zwölf Firmen Personalkürzungen. Das geht aus einer aktuellen Umfrage des Abendblatts bei den großen Arbeitgebern in der Hansestadt hervor. Viele Firmen haben sich bereits festgelegt, wie stark sie ihre Belegschaften aufstocken wollen. Zusammen weisen derzeit schon mehr als 1500 Stellen aus, die 2013 besetzt werden sollen.

Spitzenreiter unter den Firmen, die Personal einstellen wollen, sind nach der Umfrage die Asklepios-Kliniken sowie die Hamburger Hochbahn. Asklepios, die mit knapp 11.700 Mitarbeitern inzwischen das zweitgrößte Unternehmen in der Stadt nach dem Flugzeugbauer Airbus sind, will allein 366 Mitarbeiter einstellen. "Das reicht von Reinigungskräften bis hin zu Fachärzten, vor allem gesucht ist aber spezialisiertes Pflegepersonal", sagt Asklepios-Sprecher Mathias Eberenz. Dazu will der Krankenhauskonzern, der in Hamburg sieben große Kliniken betreibt, die Zahl der Lehrstellen um weitere 50 auf 1450 erhöhen. Ursache für den Bedarf an Fachpersonal ist die steigende Zahl stationärer Patienten. Sie hat sich seit 2008 in Hamburg von 188.000 auf 210.000 erhöht. Seitdem ist auch die Asklepios-Belegschaft kontinuierlich gewachsen. In diesem Jahr will der Konzern 63 Millionen Euro investieren. Weitere 275 Millionen Euro sind für die Jahre 2014 bis 2017 geplant.

Die Hamburger Hochbahn braucht wiederum 140 Busfahrer, da sie ihr Angebot in den kommenden Jahren deutlich ausweiten möchte. So soll bis 2020 die Zahl der eingesetzten Fahrzeuge um gut 20 Prozent auf 922 steigen. "Schon seit Anfang Dezember sind auf der Linie 6 zwischen Winterhude, der HafenCity und der Feldstraße drei Busse in zehn Minuten statt bisher zwei unterwegs", sagt Hochbahn-Sprecher Christoph Kreienbaum. "Dafür brauchen wir mehr Fahrer." Um zusätzlich vor allem Mitarbeiter zu ersetzen, die in den Ruhestand gehen, sucht die Hochbahn insgesamt sogar 170 Mitarbeiter.

Generell erwartet auch der Chef der Hamburger Arbeitsagentur, Sönke Fock, dass in der Hansestadt weitere Arbeitsplätze entstehen. Er hält trotz schwächerer Konjunktur einen Zuwachs um 10.000 Jobs für realistisch. In den ersten zehn Monaten 2012 - aktuellere Zahlen liegen bislang nicht vor - war die Zahl der Arbeiter und Angestellten in der Stadt bereits um 23.800 gestiegen. Damit waren Ende Oktober 871.500 Menschen beschäftigt - so viele wie seit 1974 nicht mehr. Für Hamburg reiche ein Wachstum von 1,2 bis 1,4 Prozent für 2013 aus, damit neue Stellen entstehen, glaubt Fock. "Die Firmen sollten ihren Bedarf möglichst früh melden, damit wir rechtzeitig Bewerber finden können."

Gesucht wird vor allem Personal für den Gesundheitsbereich, Ingenieure in verschiedenen Fachrichtungen sowie Techniker, Kaufleute und IT-Spezialisten. "Es wird zwar nicht leicht, aber wir gehen davon aus, dass die Stellen mit qualifizierten Bewerben besetzt werden können", sagt Fock. Die Unternehmen würden dabei davon profitieren, dass Hamburg bei Fachkräften als attraktiver Standort bewertet wird. "Diese Einschätzung betrifft nicht nur die Jobs, sondern auch das Angebot an Kultur, Sport oder auch bei den Schulen."

Die Agentur will in diesem Jahr erneut 40 Millionen Euro für die berufliche Qualifikation ausgeben - und damit genauso viel wie im Vorjahr. Erstmals werden zudem im Januar 8000 Menschen angeschrieben, die bisher nicht in der Statistik der Arbeitsagentur auftauchen. Mit der Aktion soll gut ausgebildeten Menschen aus der stillen Reserve, die lange nicht mehr gearbeitet haben, die Chancen für eine Neueinstellung aufgezeigt werden.

Auch Hamburgs Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos) erwartet keine negative Entwicklung am Arbeitsmarkt. "Hamburg steht bei den Arbeitskräften auch im Vergleich zum Bund gut da", sagte der Senator. "Dieser Trend wird sich fortsetzen." Schon im Dezember blieb die Zahl der Arbeitslosen in der Hansestadt stabil, während sie bundesweit um 88.000 zulegte.

Zu den wichtigsten Themen, um genügend Fachkräfte zu finden, zählt Horch die Aus- und Weiterbildung. Denn noch immer haben in Hamburg mehr als 50 Prozent der Arbeitslosen keinen Beruf gelernt. "Ein Abschluss oder ein erfolgreich beendetes Studium sind die Eintrittskarten für einen neuen Job", sagt Agenturchef Fock.

Trotz der insgesamt positiven Stimmung gibt es aber nicht nur gute Nachrichten von den großen Unternehmen der Stadt. So wollen die Lufthansa Technik und die Otto Group Arbeitsplätze streichen. Die Techniker der Kranich-Linie stehen unter Spardruck, weil die internationale Konkurrenz im Wettbewerb um Wartung und Instandhaltung niedrige Preise bietet. Bei der Otto-Gruppe, der der Online-Handel zusetzt, sollen bis 2015 in Hamburg bis zu 500 Stellen wegfallen.

Dagegen wollen gerade viele Firmen expandieren, die eher auf den hinteren Rängen der 200 befragten Unternehmen stehen. Dazu gehören etwa das Bauunternehmen Otto Wulff, der Mineralölhändler Marquard & Bahls, der Finanzdienstleister Real Solutions, die Digitalagentur Sinner Schrader oder das Biotechnologieunternehmen Evotec. "Schon 2012 hat der Mittelstand in Hamburg für zusätzliche Beschäftigung gesorgt", bilanziert Agenturchef Fock. "Wenn wieder Jobs entstehen, bedeutet dies auch, dass die bestehenden Arbeitsplätze sicherer geworden sind."

Finden Sie hier die große Übersicht über Hamburgs Arbeitgeber Teil 1
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