Diesel-Affäre

Abwrack-Welle: Fiat will auch alte Benziner verschrotten

Jetzt springt auch Fiat auf den Abwrack-Zug auf.

Foto: Michaela Rehle / REUTERS

Jetzt springt auch Fiat auf den Abwrack-Zug auf.

VW zahlt Besitzern alter Dieselautos bis zu 10.000 Euro Prämie beim Kauf eines Neuwagens. Das Beispiel findet immer mehr Nachahmer.

Frankfurt/Main.  Mit Fiat springt ein weiterer Importeur auf die Abwrack-Welle am deutschen Auto-Markt auf. Der Fiat-Chrysler-Konzern hat modellabhängige Prämien für seine Marken Fiat, Alfa-Romeo, Abarth und Jeep ausgelobt. Zuvor hatten bereits VW, Daimler, BMW, Ford, Toyota und Opel solche Preisnachlässe angekündigt .

Bei Fiat sollen zwischen 2000 und 6500 Euro auf sofort verfügbare Neuwagen auch für ältere Benziner (Euro4 und älter) gezahlt werden, wie das Unternehmen am Freitag in Frankfurt mitteilte. Die Abwrackprämien anderer Hersteller waren bislang allein auf Dieselautos beschränkt. Von Gewerbekunden will Fiat auch Euro5-Autos zurücknehmen und verschrotten.

Fiat bestreitet, bei der Abgasreinigung getrickst zu haben

Fiat drückt laut Untersuchungen des Branchenexperten Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen einige Modelle schon länger mit hohen Rabatten in den Markt, die häufig an die 30 Prozent des Listenpreises reichen.

Wie andere Importeure hat sich Fiat zudem bislang nicht bereit erklärt, nach dem Beispiel der deutschen Hersteller die Abgasreinigung zumindest per Software-Update nachzurüsten. Fiat stand im Dieselskandal auch im Verdacht, illegale Abschalteinrichtungen in seine Autos eingebaut zu haben, stritt dies aber ab.

Umweltschützer sprechen on einer "Ablassprämie"

Umweltverbände kritisieren die Abwrack-Prämien der Hersteller. "Kaufanreize für neue Diesel, die auf der Straße nur unwesentlich sauberer sind als ältere Diesel, bieten weder einen handfesten Vorteil für die Umwelt noch für betroffene Verbraucher", sagte jüngst Gregor Kolbe vom Bundesverband der Verbraucherzentralen am Mittwoch in Berlin. Er sprach von einer "Unsinnsprämie".

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Auch der Deutsche Städte- und Gemeindebund äußerte sich skeptisch. Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg bezeichnete die Umtauschprämien als "Verkaufsmasche". Der ökologisch orientierte Verkehrsclub Deutschland (VCD) sprach gar von einer "Ablassprämie", mit der sich die Autobauer vom Dieselbetrug freikaufen wollten. (dpa)

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